Heaven’s Hope

Heaven’s Hope

Heute gibt es einmal einen Blogpost ganz anderer Natur. ich spiele gern PC- oder Konsolentitel und hin und wieder gebe ich auch gern meinen Senf dazu ab. Hier nun also mein ganz subjektiver Bericht zu Heaven’s Hope, welches ich an einem Wochenende durchgespielt habe.

 

haevenshope_title

Point & Click Adventures vereinen zwei Aspekte bei Spielen, die ich sehr zu schätzen weiss. Rätsel und Story. Da viele andere Spielmechaniken anderer Spiele oft wegfallen, wie Kampfmechaniken, Strategieelemente und erheblich aufwendige, super realistische 3D Renderings, können sich die Entwickler auch genau da drauf konzentrieren. Point & Clicks sind trotzdem recht aufwändig, eben gerade wegen der Story, der Rätsel und auch der meist schönen handgezeichneten Grafiken. Stimmt ein Element davon nicht, kann das ganze Adventure kippen.

Wie sieht das nun bei Heaven’s Hope aus? Kann es sich mit Grössen wie Deponia oder gar Monkey Island messen oder hat es das weit verfehlt und ist womöglich gar nicht empfehlenswert?

Grafiken

Fangen wir doch einmal bei dem an, was man sofort sieht. Den Grafiken.

Heaven’s Hope verzichtet auf 3D gerenderte Hintergründe, sondern bleibt traditionell bei den handgezeichneten Backgrounds. Das gibt dem Spiel natürlich einen schönen Touch. Meiner Meinung nach sind solche Hintergründe immer wieder eine Augenweide.

Dass Helge C. Balzer hier Lead-Artist war, ist dem Spiel anzusehen. Seine doch eher düster wirkenden Motive finden auch hier Einzug, wobei düster nicht gleich unheimlich heissen muss. Viele Motive sind auch verträumt düster, wie der alte Baum zum Beispiel.

HH_Wald1Esche_mit_HH_Logo-Kopie-1030x579

Alles in allem ist es stimmig und passt zum Gesamtkonzept des Spiels.

Die 3D Elemente im Spiel, wie beispielsweise die Charaktere, fügen sich auch oft sehr gut in die Hintergründe ein. Da wurde gute Arbeit geleistet.

Ein wenig schade ist manchmal die Nutzung der Maus, da dort der Hintergrund tatsächlich wieder zu flach wirkt. Da hätte etwas besser auf die Wegfindung der Maus geachtet werden müssen. Besonders auffällig ist das vor allem, da man bei der Maus auch noch hinein zoomt. Vielleicht hätte man dies auch weglassen können.

Was mich noch ein wenig gestört hat, ist die Animation der Charaktere. Wenn sie sprechen, durchlaufen sie einen immer wieder gleich ablaufende Animationsfolge. Die Animationen sind zu schnell hintereinander geschaltet, sodass in manch Gespräch das Ganze 3 oder 4 mal abgespielt wird. Bei einem längeren Gespräch ist das sehr auffällig und hat mich sogar von Gesprächen abgelenkt. Etwas mehr Variation oder dem Gespräch angepasste Animationen, wären hier schöner gewesen.

Das digitale Artbook kann sich übrigens sehen lassen. Mir gefällt es immer wieder, wenn man dadurch in die Schaffensprozesse etwas eintauchen kann. Interessant zu sehen, wie erste Konzepte dann im Spiel tatsächlich umgesetzt wurden.

Sound

Die Musik im Spiel ist stimmig und gut gemacht. Sie passt gut zu dem jeweiligen Passagen und sie nervt vor allem nicht, wie das in manch anderen Titeln der Fall ist.

Ich habe mir Heaven’s Hope bei Steam geladen und dadurch auch den Soundtrack erhalten und werde ihn sicher auch nebenbei mal beim Zeichnen laufen lassen. Insgesamt umfasst dieser 9 Titel mit einer ungefähren Gesamtspielzeit von ca. 14 Minuten.

Die Stimmen für die Synchronisation sind auch sehr gut gewählt. Auch scheinen Synchro und Untertitel gut miteinander zu harmonieren. Allerdings gefällt mir die englische Stimmbesetzung etwas besser.

Story

Nun aber zur Story des Spiels. Kurz gesagt:

Talorel, ein Engel durchbricht die Himmlische Mauer und fällt auf die Erde herab. Er weiss nicht, wieso das genau geschehen ist, aber eines ist klar. Er muss wieder zurück. Dummerweise ist sein Heiligenschein verloren gegangen und seine Flügel sind ebenfalls ein wenig verkohlt. Also erst einmal den Heiligenschein wiederfinden und dann eine Möglichkeit suchen wieder in den Himmel zurück zu kommen.

Unterwegs trifft Talorel auf sonderbare Erdenbürger, wie Bill, einen Farmer, der noch ein kleines Geheimnis hat oder Greta, die einfach mal die Inquisition eingeführt hat.

Die Story ist relativ einfach gestrickt. Es gibt einen kleinen „Aha“ Moment, der je nachdem wie erfahren man mit derlei Spielen und Storywriting ist, grösser oder auch kleiner ausfallen wird. Für mich war es weniger überraschend, aber das mag wohl auch daran liegen, dass ich für meine Rollenspiele selbst Geschichten mit Twists erfinde, um meine Spieler zu überraschen oder zu erstaunen.

Grosse Abzweigungen oder riesiges Hintergrundwissen zu den sonstigen Charakteren gibt es nicht. Das liegt aber auch daran, dass dies in Point & Click Adventures nicht unbedingt notwendig ist. Sie sollen meist eine Story erzählen und nicht, wie Rollenspiele, auch Abzweigungen zulassen. Jede Abzweigung macht das Spiel länger, grösser und aufwändiger.
Für ein Erstlingswerk ist dies hier wirklich eine gute Länge. Es gab schon andere, manchmal sogar hochpreisige Titel, die weniger Story und somit weniger Spielspass boten. Die angegebenen 12 Stunden habe ich auch ungefähr gebraucht.

Ein paar Dinge sind mir allerdings auch negativ aufgefallen. Am Anfang wirkt Talorel recht weltfremd, da er sich auf der Erde nun einmal so gar nicht auskennt. Das wird am Anfang ganz witzig umgesetzt, später jedoch manches Mal ausser Acht gelassen. So kann man sich höchstens vielleicht sagen, dass Talorel diese Dinge schon aus dem Himmel her kennt. Ich kann allerdings auch nicht sagen, ob ein konsequenterer Umgang damit evtl. auf Dauer nicht auch nervig gewesen wäre, oder ob es den Witz tatsächlich angehoben hätte.

Die Reden von Greta sind etwas lang. Einmal gefiel mir die Szene, in der sie nur „Blablabla“ sagte. Bei den letzten Reden habe ich mich allerdings dabei ertappt, dass ich vor gespult habe. Diese ganze christliche Traritrara ging mir dann zum Schluss doch etwas auf den Geist.

Ich habe auch das Gefühl, dass man sich nicht ganz einig war, ob man nun ein ernsthaftes und leicht düsteres Spiel schaffen wollte, oder eines, welches sich nicht ganz ernst nimmt. Es ist irgendwie vom Gefühl her ein Zwischending und für mich daher nicht ganz so gut umgesetzt. Die beiden Begleiter von Talorel geben zu gewissen Aussagen, Buchinhalten und dergleichen schnippische Kommentare ab und generell ist die Story nicht ganz ernst zu nehmen, was mich eher darauf bringt, dass das Spiel durchaus witzig gemeint ist. Was mir hier allerdings dann fehlt sind richtig überzeichnete Figuren, nicht nur vom Aussehen, sondern auch vom Verhalten her und dem, was sie sagen und fühlen. Mir fehlte ein wenig der Pepp, der Witz, bei dem man sich richtig unter den Tisch lachen kann. Ein paar Schmunzler waren vorhanden, aber der beste Part war irgendwie der mit der Maus gleich zu Beginn und der mit Petrus, der alten Socke.

Screenshot-115-1030x565

Das Ende des Spiels war irgendwie gewöhnungsbedürftig. Es ist schon witzig gemacht, leitet einen womöglichen Nachfolger ein, aber wirkt an sich auch zu einfach. Vor allem weisst kaum etwas vorher darauf hin, dass Talorel einen solchen Stellenwert im Himmel hat. Für mich war es jedenfalls kein so tolles Ende.

Gameplay (und Rätsel)

Allem voran gesagt: ich hatte keine Bugs, keine Spielabstürze und dergleichen. Da hat das Team sehr gute Arbeit geleistet.

Das Gameplay ist typisch Point & Click und bedarf auch keiner grossen Erklärung. Man klickt wo hin, schaut sich das Objekt an, packt es in die Tasche oder kombiniert es mit irgendetwas oder nutzt es.

Ganz cool fand ich die Mechanik mit der Maus und Anselm, den zwei direkten Begleitern im Spiel. Auch dass die Engelsbegleiter gleichzeitig die Hilfefunktion darstellen sollten, war schön gelöst.
Eine nette Idee war auch das Questbuch mit handschriftlichen Notizen und kleinen Zeichnungen und die Map, mit der man schneller von einem zum anderen Punkt kommt.

Screenshot6-1030x600

Bevor ich direkt zu den Rätseln und dem Schwierigkeitsgrad des Spiels komme, sei vorher wohl zu erwähnen, dass die Entwickler gern ein Spiel auf den Markt bringen wollten, was von allen spielbar ist. Also auch Point&Click Anfänger und solche, die Rätsel vielleicht nicht so mögen, aber die Story gern spielen würden, sollten auf ihre Kosten kommen.

Das ist auch an sich gelungen. Die Rätsel waren für einen Point&Click Liebhaber fast schon ein wenig zu rar gesät und zu einfach. Für absolute Rätselhasser gab es eine Vorspulfunktion. Allerdings ist mir diese nur einmal wirklich aufgefallen, als mich dann auch Salome ziemlich schnell drauf hinwies (Rätsel im Bären). Zu schnell, für mein Gefühl.

Was mich mehr störte war, dass ich mir manchmal etwas verloren vor kam und dass Infos viel zu zeitig gestreut wurden, obwohl man da noch nicht ein Stück der Lösung in Angriff nehmen konnte.

So hing ich zum Beispiel eine Ganze Zeit fest, weil ich verbissen versucht hatte irgendwie Alkohol zu bekommen. Recht zeitig bekommt man nämlich die Information, dass es in der Stadt an Alkohol mangelt und die Leute das doch eher für Dummfug halten. Allerdings sind die letzten Reserven eben alle. Man erzählt dir sogar, dass 2 Personen bis vor Kurzem noch Alkohol geliefert hätten. An den einen kommt man ohnehin nicht ran, bzw. der gibt auch keine Antwortoptionen, der andere erst einmal auch nicht.

Später im Spiel kann man dann über das Thema Alkohol mit dem Professor reden, aber auch dann ist noch immer nicht die rechte Zeit, um dies wirklich angehen zu können.

Erst in einem bestimmten Abschnitt des Spiels, wenn es dann nötig ist, dass Alkohol im Pub serviert wird, erst dann kann man loslegen mit seinen Infos.

An sich ist es nichts Schlechtes etwas erst später in der Story verfügbar zu machen, aber dann bitte auch so, dass es erst dann richtig zur Ansprache kommt. Die Infos über den Bezug des Alkohols hätten erst dann Sinn gemacht und nicht schon ein paar Szenen vorher. Vorher langt einfach die Info, dass der Pub zur Zeit keinen Alkohol hat.

Was auch etwas kritisch ist, ist die Steuerung von 3D Charakteren auf 2D Hintergrund. Da müsste beim nächsten Mal noch etwas gefeilt werden. So unterhalten sich Talorel und Geoffrey beispielsweise mal durch den Brunnen hindurch oder die Steuerung von Anselm Richtung Gas wird ein wenig zur Geduldsprobe.

Fazit:

Für ein Erstlingswerk ist es ein solides, tolles und auch witzig kreatives Spiel, welches optisch hübsch und ohne Gameplaybugs daher kommt.

Es gibt natürlich noch einiges zu verbessern, aber die meisten Dinge machen das Spiel dadurch nicht schlecht. Es hat seinen ganz eigenen Charme, kann aber durch übermässiges Christengesulz gegen Ende ein wenig langweilen.

Dieses Spiel wurde von einem recht kleinen Entwicklerteam entwickelt und das neben dem eigentlichen Beruf. Sie haben viel Liebe hinein gesteckt, was man deutlich merken kann.

Die Länge des Spiels ist für ca. 17 Euro bzw. 20 Franken ausreichend, zumal noch der Soundtrack und ein kleines, digitales Artbook dazu kommen.

Also los! Auf jeden Fall kaufen und spielen und eigene Meinung bilden.

 

Das Spiel auf Steam: http://store.steampowered.com/app/404510/

Das Spiel bei Amazon: http://www.amazon.de/dp/B00MF75OG6
Facebookseite: https://www.facebook.com/HeavensHopeGame/

Webseite: http://www.heavenshope-game.de/
Helge C.Balzer: https://www.facebook.com/helgecbalzer.art/

 

Screenshot-140-1030x565

© 2016 Mosaic Mask Studios
Heaven’s Hope, the Heaven’s Hope logo and the Mosaic Mask Studio logo are trademarks of Mosaic Mask Studio. EuroVideo and the EuroVideo logo are trademarks of EuroVideo Medien GmbH. All rights reserved.
No Comments

Post a Comment